Mittwoch, 28. Dezember 2011

Aus einem Bücherverzeichnis der Enslin'schen Buchhandlung von 1824: Fechtkunst

von Jan Schäfer

Der aus Süddeutschland stammende Theodor Johann Christian Friedrich Enslin (1787-1851) war gelernter Buchhändler und später auch selbstständiger Verleger. Seine bibliographischen Recherchen als Buchhändler sind für die Erforschung der Fechtgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts von hohem Wert.


Theodor Enslin im Portrait. Aus: Pfau, Karl Friedrich: Biographisches Lexikon des Deutschen Buchhandels der Gegenwart. Leipzig: Pfau, 1890. (Bildquelle: wikimedia commons, public domain license)


Über sein Leben gibt die die Allgemeine Deutsche Biographie Auskunft: Lülfing, Hans, „Enslin, Theodor Johann Christian Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 539 f.

Enslin interessierte sich aus Berufsgründen natürlich für alle Arten von Büchern. In jahrelangen Recherchen stellte er als Berliner Buchhändler die Mehrzahl der seinerzeit verfügbaren Bücher in thematisch geordneten Katalogen zusammen und veröffentlichte sie als Bücherverzeichnisse der Enslin‘schen Buchhandlung.

Eine Auswahl:
  • Bibliothek der schönen Wissenschaften [Scan]
  • Bibliothek der Forst- und Jagdwissenschaft [Scan]
  • Bibliothek der Handlungswissenschaften [Scan]
  • Bibliothek der Kriegswissenschaften [Scan]

In der erwähnten „Bibliothek der Kriegswissenschaften oder Verzeichniß aller brauchbaren, in älterer und neuerer Zeit, bis zur Mitte des Jahres 1824 in Deutschland und Frankreich erschienenen Bücher über die Kriegskunst und Kriegsgeschichte, und über deren nöthigste Hülfswissenschaften, ...“ hat Enslin dem Leser auf 99 Seiten zu den Themen Kriegswissenschaft und Kriegsgeschichte, Fechtkunst, Reitkunst, Pferdewissenschaft, Schwimmkunst und Mathematik an Büchern zusammengetragen, „was in deutscher Sprache, besonders in neueren Zeiten erschienen ist“ [n. Enslin].

Für die Fechtkunst listet Enslin 20 Werke von überwiegend deutschen Autoren auf, die sich entweder mit dem Fechten auf den Stoß oder auf den Hieb befassen (einige wenige Bücher behandeln sowohl das eine als auch das andere). Alle Fechtbücher lassen sich dem Universitäts- oder dem Militärfechtwesen zuordnen. Bemerkenswert ist, dass die ältesten der Fechtbücher bereits im 18. Jahrhundert das erste Mal aufgelegt worden sind: Johann Andreas Schmidt 1713 in Nürnberg (s. auch Artikel über Johann Andreas Schmidt), Anton Friedrichs Kahn 1739 in Heidelberg und Siegmund Carl Friedrich Weischner 1765 in Weimar.

Enslins Liste zur Fechtliteratur ermöglicht es uns, im einzelnen zu überblicken, welche Fechtbücher im Jahr 1824 auf dem deutschsprachigen Büchermarkt erhältlich waren und wie viel Geld man in einer damaligen Buchhandlung wie der Enslin'schen auf den Ladentisch legen musste, um ein Exemplar zu erwerben. Enslin konnte in seiner Berliner Buchhandlung, so berichtete er selbst im Vorwort, jedes der aufgelisteten Bücher zu den angegebenen Preisen für seine Kunden beschaffen. Die Preise im Verzeichnis gibt er sowohl nach der üblichen Berechnung zu 24 guten Groschen und nach preußischen Silbergroschen (30 auf einen Thaler) an.

Hier die Liste mit allen Büchern:
  • Duval, J.: Theoretische Anweisung zur Fecht- und Voltigirkunst; mit 60 Figuren. München: Verlag Fleischmann. 2 Reichstaler 15 Silbergroschen oder 2 Reichstaler 12 gute Groschen. [Scan]
  • Eiselen, C. W. B.: Das deutsche Hiebfechten. Berlin: Verlag Dümmler. 12½ Silbergroschen oder 10 gute Groschen
  • Unbekannt: Die Fechtkunst auf Universitäten; mit Kupfern. Kothen: Verlag Aue. 11½ Silbergroschen oder 9 gute Groschen.Kahn, A. F.: Anfangsgründe der Fechtkunst; mit vielen Kupfern. Leipzig: Verlag Weygand. 2 Reichstaler 5 Silbergroschen oder 2 Reichstaler 4 gute Groschen.
  • v. Pöllnitz, G. L.: Das Hiebfechten zu Fuß und zu Pferde; ein nöthiges Handbuch für alle diejenigen, welche jungen Cavalleristen Unterricht in der Fechtkunst zu geben haben, so wie auch für alle Freunde dieser Kunst. Halberstadt: Verlag Vogler. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Pönitz, C. Ed.: Die Fechtkunst auf den Stoß; nach den Grundsätzen des Herrn von Selmnitz und einiger andern Lehrer dieser Kunst. Dresden: Verlag Arnold. 26 ½ Silbergroschen oder 21 gute Groschen.
  • Ranis, H. L.: Anweisung zum Fechten; mit Kupfern. Berlin: Verly Mylius. 20 Silbergroschen oder 16 gute Groschen.
  • Pour, J. W. D.: Deutsche Fechtkunst, oder Anweisung zum Stoßfechten. Leipzig: Verlag Barth. 26 ½ Silbergroschen oder 21 gut Groschen. [Anm.: Autor geändert, siehe Kommentare]
  • Unbekannt: Anweisung über das Hiebfechten. Nürnberg: Verlag Campe. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Roux, J. A. K.: Anleitung zum Stoßfechten; mit Kupfern. Jena: Verlag Hennings. 26 ½ Silbergroschen oder 21 gute Groschen. [Anm.: Autor geändert, siehe Kommentare]
  • Schmidt, J. A.: Fechtkunst auf Stoß und Hieb; mit 82 Figuren. Nürnberg: Schneider und W. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Fechtkunst für die Cavallerie; mit Kupfern. Berlin: Verlag Maurer. 1 Reichstaler.
  • Schmidt, J. F.: Gründliche Anweisung der deutschen Fechtkunst auf Stoß und Hieb. Dresden: Verlag Arnold.
  • Unbekannt: Theorie der Fechtkunst; eine analytische Abhandlung sämmtlicher Stellungen, Stöße, Paraden, Finten u.f.w. überhaupt aller Bewegungen im Angriff und der Vertheidigung; nach dem „traité d’escrime par le Chevalier Chatelein“ frei bearbeitet; nebst einer Anleitung über das Hiebfechten von Anton Küpscher und Franz Gömmel; mit 2 Uebersichtstabellen und 20 bildlichen Darstellungen. Wien: Verlag Strauß. 2 Reichstaler 7½ Silbergroschen oder 8 (2?) Reichstaler 6 gute Groschen.
  • Timlich, Ch. L.: Abhandlung der Fechtkunst auf den Stoß; mit Kupfern. Wiehn: Verlag Rehm. 2 Reichstaler 20 Silbergroschen oder 2 Reichstaler 16 gute Groschen.
  • Unbekannt: Unterricht zum Gebrauch des Seitengewehrs für die Cavallerie; mit 6 Kupfern. Leipzig: Verlag Ind. Comt. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Venturini, G.: Fechtkunst auf den Stoß und Hieb. Hannover: Verlag Hahn. 20 Silbergroschen oder 16 gute Groschen.
  • Unbekannt: Versuch über das Contrafechten auf die rechte und linke Hand nach Kreußlerschen Grundsätzen. Jena: Verlag Cröker. 11½ Silbergroschen der 9 gute Groschen.
  • Weischner, C. F.: Ritterliche Geschicklichkeit im Fechten durch ungezwungene Stellungen, mit 30 Kupfern. Weimar: Verlag Hoffmann.
  • Werner: J. A. L.: Versuch einer theoretischen Anweisung zur Fechtkunst im Hiebe; mit 20 Kupfern. Leipzig: Verlag Hartmann. 1 Reichstaler 20 Silbergroschen oder 1 Reichstaler 16 gute Groschen. [Scan]

Dienstag, 20. Dezember 2011

Das Fechtbuch des Mainzer Hoffechtmeisters Alexander Doyle

von Jan Schäfer

Der gebürtige Ire Alexander Doyle (hier auf einer Abbildung in seinem Fechtbuch aus dem Jahr 1715) war Fechtmeister am Hofe von Lothar Franz von Schönborn (1655-1729), der das Kurfürstentum Mainz von 1695 an regierte. Hier am Mainzer Hof des Kurfürsten unterrichtete Alexander Doyle vornehmlich die Edelknaben in der Fechtkunst. 1715 kam es zur Veröffentlichung seines Fechtbuches „Neu Alamodische Ritterliche Fecht- und Schirm-Kunst“, das in Nürnberg und Frankfurt im Verlag Lochner erschien. Der vollständige Titel des Werkes lautet: „Neu Alamodische Ritterliche Fecht- und Schirm-Kunst. Das ist: Wahre und nach neuester Frantzösischer Manier eingerichtete Unterweisung Wie man sich in Fechten und Schirmen perfectioniren und verhalten solle; Denen respective Herren Liebhabern zu besserer Erleuchtung mit 60. hierzu dienlichen Figuren“ [zum Digitalsat im Göttinger Digitalisierungszentrum]

Das Buch ist Doyles Herrn und Brotgeber Lothar Franz von Schönborn gewidmet. Er hoffe, so sagt Alexander Doyle im Vorwort des Buches, auf das Wohlgefallen des Fürsten, sei doch der Kurfürst selbst ebenfalls bestens ausgebildet und geübt in den adeligen Exercitia und insbesondere im Fechten. Doyles Buch ist 149 Seiten stark und enthält 60 Kupferstiche, die vom Nürnberger Johann Conrad Reiff angefertigt wurden. Anders als im Titel angegeben, zeigt Doyle im Buch das Fechten nicht ausschließlich nach „Frantzösischer Manier“, sondern wie er selbst schreibt, nach „Frantzös. und Italianischer Manier“.

1720 erschien ein weiteres Werk von Alexander Dyole, das dass Voltigieren (Turnen und Springen am Holzpferd) zum Thema hatte.

Abgesehen von seinen beiden Publikationen und den spärlichen biographischen Informationen daraus bleibt Alexander Doyle wie viele andere Fechtmeister neben ihm im Dunkel der Geschichte zurück.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Der Exercitienmeister Johann Georg Paschen (1628-1678)

von Jan Schäfer

Johann Georg Paschen (auch: Pascha, Pasch) wurde am 9. September 1628 in Dresden als Sohn des Johann Paschen und seiner Frau Magdalena Frauenstein geboren. Zur Welt gekommen in den unruhigen Zeiten des 30-jährigen Krieges, führte ihn sein Weg über Zittau, Berlin, Stettin, Greifswald, Rostock und Wittenberg schließlich in das Erzstift Magdeburg, wo er ab 1662 bis zu seinem Tode im September 1678 das Amt des Pagen-Exercitenmeisters versah.

Am 4. September 1678 wurde Johann Georg Paschen beigesetzt. Die Leichenpredigt hielt der Fürstlich Magdeburgische Dom-Prediger Christoph Schradern (Predigt abgedruckt in: Salfeldische Schriften 1678). Der Lebensweg des Fecht- und Exercitienmeisters wird in jener Predigt ausführlich nachgezeichnt. Dieser Abschnitt soll im Folgenden wiedergegeben werden.

"Und zwar den Anfang zu machen von dem Eintritt in diese Welt / so ist der seel. Herr Hoffmeister in der Churfürstl. Residentz-Stadt Dreßden im Jahr 1628. den 9. Septemb. gebohren / und sein lieber Vater gewesen Herr Johann Pasche / Churfürstl. Sächs. Hoffbedienter / die Mutter aber Fr. Magdalena Frauensteinin / beyde nunmehr in Gott seelig ruhend. Der Großvater auf Väterlicher Seite ist Herr. M. Joachim Pasche / wohlverdienter Pastor Primarius zur Sittau / der Großvater von der Mutter / Herr Georg Frauenstein / Rathsverwandter und Handelsmann in Dreßden. Der Elter Herr Vater vom Vater ist gewesen Chrufürstl. Brandenb. Oberhoff-Predige zu Berlin. Obgemelten seinen Eltern war nicht unbewust / daß Kinder eine Gabe des Herrn / und Leibes-Frucht sein Geschenk sey (Pf. 127/3.) darum nahmen sie diesen von Gott beschenckten Sohn von seiner Hand mit Danck an / und beförderten ihn bald nach der leiblichen Geburt zur geistlichen Wiedergeburt der Heil. Taufe / ließen sich auch bey zunehmenden Jahren seine und des andern Geschwisters gute Aufferziehung bestens angelegen seyn. Wiewohl sie nun wegen damahligen kümmerlichen Zeiten / ihn weiter beym studiren zu lassen nicht gesonnen waren / und gern gesehen hetten / daß er ein Handwerk erlernet / so fande doch der selig Verstorbene eine innerliche Neigung zu den studiis, deswegen begab er sich mit ihrer Bewilligung nach Zittau zu seinem Vätter / in Meinung / die zum studiren nöthige Mittel / daran es ihm zu Hause mangelte / daselbst anzutreffen / als er aber nirgends unterkommen kunte / nahm er seinen Weg nach Berlin zu seiner Befreundin / H. Hoffrath Seidels Witbe / biß er nach gelegten ziemlichen Grunde / nach Stettin / zu mehrer perfectionirung seiner studien im Gymnasio daselbst / reisete / woselbst er vom Herrn Obriston Hammeldon aufgenommen ward / ümb dessen Kinder im Dantzen / welches er schon damals gefasset hatte / zu unterrichten. Nachgeheds begab er sich nach Gryhpswalde / ferner nach Rostock / woselbst er Gelegenheit fand / die übrigen exercitia, als Fechten / Ringen / Trenchiren, die Fahnen-Lectiones, ingleichen das Lautenschlagen / und dergleichen zu lernen / denen er auch nebst den studiis, mit unabläßigen Fleiße so lange obgelegen / biß er im Jahr 1649. eine Reise in sein Vaterland angetreten / woselbst aber er sich nicht lange aufgehalten / sondern bald im folgenden Jahre nach Wittenberg gewendet / da er denn so wohl durch obberührte exercitia, als auch öffters disputiren beydes Respondendo und Oppenendo, bey denen Herren Professoribus und Studiosis in kurtzer Zeit bekannt / und von männiglich beliebet worde: Darauf es geschehen / daß er im Jahr 1656. von unseres Hochtheueren Landes-Vaters / des Postulirten Herrn Administratoris, Hertzogs Augusti, Hochf. Durchl. anfangs zum Archivario, hernach zum Secretario bey der Thüringischen Erblands-Cantzley / und dann Anno 1662. zum Pagen-Hofmeister gnädigst beruffen worden. Mit was er vor ungesparten Fleiße / Treue / Sorgfalt und Auffrichtigkeit er diese Aemter verwaltet / ist männiglich bewust / und würde / wenn ja kein ander Zeugniß vorhanden were / Beweises genug seyn die Hochfürstl. Gnade / so er jederzeit biß an sein sel. Ende genoßen.
Ebener maßen ist auch sein Christenthum bekant genug und weiß jederman / daß er ein fleißiger Hörer Göttlichen Worts gewesen / seine Menschlichen Fehler bußfertig erkant / das Hochwürdige Nachtmahl (massen auch vor weniger Zeit in seiner Kranckheit geschehen) fleißig und mit hertzlicher Devotion gebrauchet / seiner sel. Ehegattin liebreich beygewohnet / die Kinderzucht sorgfältig beobachtet / seine erlangte herrliche Wissenschaft andern gern mitgetheilet / und also das von Gott verliehene Pfund nicht vergraben / sondern rühmluch genützet.
Seinen Ehestand anlangend / so hat er sich auf gethanes Gebet zu Gott und reiffe Berathschlagung / mit damahls Jungfer Annen Margarethen / Tit. Herrn Aegidii Stelers; wohlverdienten Bürgermeisters / und Churf. Sächs. Steuer-Einnehmers zu Wittenberg sel. und Frauen Annen Marien Wildin / eheleiblichen Tochter (so am verwichnen 23. Augusti zu großer Betrübnis ihres damahls krancken Eheherrn und Kinder verstorben) in ein Ehegelöbnis eingelassen / welches allhier in Hall den 16. Nov. 1657. solenniter vollzogen worden. In solcher biß ins 21. Jahr geführter Hertzvergnügter Ehe hat er mit ihr zwey Söhne und zwey Töchter erzeiget / davon der jüngste Sohn / Augustus / bald nach der Geburth diese Welt wiederumb gesegnet / die andern aber / nahmentlich Jungfr. Anna Margaretha / Ehrenfried Christian / und Jungfr. Anna Catharina / sind annoch am leben / und bejammern / wie vor wenig Tagen der Frau Mutter / also nunmehr auch des Herrn Vaters tödtlichen Hintrit.
Mit demselben / wie auch vorhergegangener Kranckheit / ist es / besage der eingehändigten Historiae morbi, also beschaffen: Als den 19. kurtz verflossenen Monats Julii der Selige Herr Hofmeister in die Kirche gehen wollen / hat er einen gelinden Schauer empfunden / und darumb sich alsofort wieder nach Hause begeben / und Artzney gebraucht. Nachdem nun der zu ihm erforderte Hochfürstl. Sächs. Magdeburg. Leib-Medicus, Herr D. Joh. Siebold / aus den Umbständen ersehen / daß es auf ein tertian-Fieber hinaus lauffen dürffte / sind deswegen diensame Mittel zur Hand genommen worden / worauf nach etlichen Paroxysmis der periodius dieses Fiebers sich geendet / und hat der selige Herr Hoffmeister sich die Hoffnung gemacht / daß an Ihr. Hochfürstl. Durchlaucht. unsers Gnädigsten Fürsten und Herrn / geburths-Tage / er wieder zur unterthänigsten Aufwartung würde gehen können. Es hat ihn aber wenige Tage zuvor / nemlich den 9. Augusti / abermahl en geringer Schauer überfallen / mit Empfindung einiger Mattigkeit / welcher Zufall allsachte mit unordentlichen paroxysmis und schweren emergentien, die innerliche Verderbniß durch mehrere Abnehmung der Kräffte dergestalt zu verstehen gegeben / daß von daran in Anmerckung der geschwächten Sinnen und anderer gefährlichen Dinge / ein bößes Prognosticum, und auf den 22. May geschehenen Schlag auf den Kopf / reflexion zu machen gewesen sey. Maßen denn die mehrentheils auf der linken Seiten des Haupts sich ereigneten Zufälle und evacuation zur Gnüge erwiesen / daß an oberwehnten Orthe an geschehener Verletzung gantz nicht zu zweifeln / indem auch bey denen immerzu sich ereignenden hefftigen paroxysmis und schier continuierender Verirrung un Schwachheit der Eisten und gantzen Leibes / große Hitze des Haupts / mehrentheils der lincken Seite / Erkaltung der euserlichen Glieder / anhaltendes Zittern der Hände / auch zuletzt zugeschlagene heftige Geschwulst des rechten Schenkels / einen betrübten Ausgang von fern gewiesen.
Ob nun wohl bey solcher Bewantniß / und zuvor gesehener Lebens-Gefahr / zu allen mögligsten Mitteln geschritten / auch wohl eine und andere chirurgische operation, der sonst frischen Natur etwas noch zuhelffen / in reiffe consideration gezogen worden / so haben doch die angewendeten herrlichen Arztney-Mittel und andere treue Vorsorge keinen beständigen effect erreichen / noch sonst in andere Wege / in Betrachtung der täglich sich vermehrenden grossen Schwachheit / und da man gewisser Verbesserung aus gegründeten Ursachen sich auch nicht zu versichern gehabt / beobachtet werden können.
Weil nun der selig Verstorbene merckte / daß ihn Gott von dieser Welt abfordern möchte / so machte er sich zu einem seligen Ende gefast / ließ seinen Herrn Beichtvater / den Hochfürstl. Sächsischen Magdeb. Hoff-Prediger, Kirchen-Rath und Vice-General-Superintendenten / Hn. D. Joh. Andream Olearium, zu sich erbitten / tröstete sich mit dessen bey unterschiedenen Besuchungen gethanen Zuspruche / und erwartete der Hülffe seines Gottes gedultig.
Alls am verwicheen Sonnabend zur Nacht die Schwachheit über Hand nahm / ließ er gegen 1. Uhr (Tit.) Hn. Secretarium Johann Georg Flachen (der ihm in wehrender seiner Kranckheit / sonderlich nach der seel Frau Hoffmeisterin Absterben / mit Rath und Sorge rühmlich beygestanden) zu sich bitten / und befahle ihm seine lieben Kinder. Als Morgends umb 6. Uhr obwohlgedachter sein Herr Beichtvater ihm wider zusprach / und unter andern Trost-Reden / insonderheit nach Anleitung des damahligen Sontags-Evangelii / den Hertzlichen Seuffzer der zehen krancken Männer: Jesu / lieber Meister / erbarme dich unser / mit Versicherung des Göttlichen Erbarmens / Hülffe und Trosts / davon es am angezogenen Orthe heist: Dein Glaube hat dir geholffen / angeführet wurde / benebenst der Application aus den Worten Pauli: Der Herr wird mich erlösen von allem Übel etc. / 2. Lim. 4 / 18.) wie auch mit Wiederholung eines bekanten Trost-Symboli, dessen Inhalt aus den vier folgenden Anfangs-Buchstaben H.E.W.G. also lautet: Hilff Ewiger Warer Gott! Gott Will Euch Helffen. Habt Ein Wenig Gedult. Gott Will Es Haben! Hieß er einen von den umstehenden solches auf schreiben / das er auch hernach zum öftern sich vorlesen ließ / mit hinzugesetzter Erklärung / Er wolle in seinem Hertze auch ruffen um Hülffe des ewigen Gottes / Gott werde ihm gewiß auch helffen. Einige Zeit hernach nahm er von seinen Kindern und andern Anwesenden mit beweglichen Worten Abschied / wolte auch nicht haben / daß sie ferner umb das Bette herum stehen und ihn ansehen solten / hielte hierauf mit Gebet an / und gab sein Verlangen zu einer seeligen Auflösung mit diesen Worten zu verstehen: Mein Jesu hat mir meine Seele gegeben / willst du sie denn nicht wieder haben? Welches Wundsches er denn bald gewehret ward / als er selbigen Tag / war der 1. Sept. Nachmittags gegen 2. Uhr / auf seinen Erlöser sanfft und seelig einschlieff / nachdem Er sein Leben gebracht auf 50. Jahr weniger 8. Tage."
Zu Lebzeiten hatte sich Johann Georg Paschen in einer großen Anzahl an Exercitien geüb. Zu den Exercitia, die er in seinem Amt als Pagen-Exercitienmeister an die adelige Jugend des Magdeburger Hofes weitergab, zählten das Fechten (mit Degen auf Hieb und Stoß und mit dem Jägerstock), das Voltigiren und das Ringen; außerdem das Exerciren mit Pike und Muskete, das Fahnen-schwingen sowie die für das Leben bei Hof unabdingbaren Fertigkeiten im Tanzen und Tranchiren. Eifrig verfasste er über viele dieser Exercitia Bücher. Doch Johann Georg Paschen war nicht nur in den körperlichen Exercitia geübt, sondern auch überaus gelehrt und belesen. So finden sich in seiner umfangreichen Bibliographie auch eine Abhandlung über das Befestigungswesen sowie seine Dissertation (jur.) „De Plagio Kaufungiano“.


Magdeburg um 1640 (Kupferstich von Matthias Merian, Bildquelle: Bildquelle: zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)


Bibliographie von Johann Georg Paschen

1655

Dissertatio De Plagio Kaufungiano (zusammen mit Gottfried Severis). Wittebergae: Typis Röhnerianis 1655. [Digitalsat Universität Halle]

1657

Kurtze Unterrichtung Belangend Die Pique/ die Fahne/ den Jägerstock/ das Voltegiren/ das Ringen/ das Fechten auff den Stoß und Hieb/ und endlich das Trinciren / verfertigts Johannes Georgius Pascha LL. Studiosus.  Wittenberg: Oelschlegel, 1657. (vielen Dank an Hubert Hazebrouchq für den Hinweis)

1658

Kurtze Unterrichtung Belangend Die Pique, die Fahne, den Jägerstock, das Voltesiren, das Ringen, das Fechten auff den Stoß und Hieb und endlich das Trinciren / verfertigts Johannes Georgius Pascha. In Verlegung Christian Guths Buchhändlers in Hamburg. Wittenberg Gedruckt bey Melchior Oelschlegels Erben, 1658.

1659

Anleitung sich bei grossen Herrn Höfen und andern beliebt zu machen. Osnabrück, 1659.

Kurtze Unterrichtung Belangend Die Pique, die Fahne, den Jägerstock, das Voltesiren, das Ringen, das Fechten auf den Stoß und Hieb und endlich das trinciren. Hamburg: Guths; Wittenberg: Oelschlegel, 1659. [Digitalsat Wolfenbütteler Digitale Bibliothek]

1660

Kurtze iedoch gründliche Beschreibung Des Voltesirens/ So wohl auf dem Pferde als über den Tisch : Darinnen gehandelt wird von allen Sprüngen/ als in Sattel zu springen/ wieder herauß/ Reversen/ Troiten/ halben Pomaden/ gantzen Pomaden/ Verwechseln/ etc. wie solches heutiges tages in gebrauch; Mit vielen nothwendigsten Kupffern abgebildet. Hall in Sachsen bei Oelschlegel, 1660. [Digitalsat Universität Göttingen]

Kurtze iedoch deutliche Beschreibung Des Pique-Spielens/ wie auch Des Trillens auf der Pique : Wie solche recht nach heutiger Art zu gebrauchen/ ; Mit denen nothwendigsten Kupffern außgezieret. Leipzig / Hall in Sachsen bei Fuhrman[n] / Oelschlegel, 1660. [Digitalsat Universität Göttingen]

Kurze Anleitung des Jäger-Stocks oder halbe Pique : Mit 16 Kupfern. Halle in Sachsen, 1660. [Digitalsat Bayerische Staatsbibliothek München]

1661

Vier und achtzig Fahnen-Lectiones. Bei Beckenstein, 1661. [Digitalsat Universität Göttingen]

Kurtze Anleitung Deß Fechtens, Auf den Stoß, Und Hieb: Mit sonderbahren Fleiß auffgesetzet/ und mit vielen nothwendigen Kupffern ausgebildet. Frankfurth am Mayn bei Gerlach / Beckenstein; Hall in Sachsen bei Oelschlegel, 1661.

1662

Florilegum fortificatorium triportitum Oder kurtzte, leichte ... und richtige Anweisung zu der jetzigen Zeit ublichen Krieges-Bau-Kunst oder was derselben anhangig.

1664

Vollständiges Fecht- Ring- und Voltigier-Buch. Bd. 1: Kurtze iedoch deutliche Beschreibung, handlend vom Fechten auf den Stoß und Hieb. Hall in Sachsen bei Oelschlegeln, 1664.

1665

Neu vermehrtes vollstandiges Trincier-Buch handlend I. Von Zerschneidung und Vorlegung der Speisen ... II. Von rechter Zeitigung aller Mundkoste ... III. Von den Schau-Gerichten ... Naumburg.

1666

Vollständiges Fecht Ringe und Voltigier Buch. Enth. 1. Kurtze iedoch Deutliche Beschreibung / handlend Vom Fechten auf den Stoß und Hieb. 2. Nun folget Das Fechten auff den Hieb (zuerst 1664). 3. Volständiges Ring-Buch. 4. Kurtze iedoch gründliche Beschreibung Des Voltiger / So wohl auf dem Pferde als über den Tisch. Hall in Sachsen bei Vestern, 1666. (Anmerkung: Widmungsempfänger ist Friedrich, Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, Land-Graf in Thüringen)

Vollständiges Fecht Ringe und VoltigierBuch. Kurtze iedoch Deutliche Beschreibung / handlend Vom Fechten auf den Stoß und Hieb. Nun folget Das Fechten auff den Hieb. Vollständiges Ring-Buch. Kurtze iedoch gründliche Beschreibung Des Voltiger / So wohl auf dem Pferde als über den Tisch. Hall in Sachsen bei Vester 1666. (Anmerkung: anderer Druck und auch anderer Widmungsemfänger, nämlich Christian Ernst, Markgraf zu Brandenburg)

Deutliche Beschreibung von dem Exerciren in der Muszquet.

1667

Deutliche Beschreibung Von Dem Exerciren in der Musquet Und Pique Wie Auch Von Dem Baston à Deux Bous Jäger stock oder Halbe pique. Enth. 1. Deutliche Beschreibung/ von dem Exerciren in der Mußquet/ In drey Theil abgetheilet/ ... / von Johann Georg Paschen. - 2. Kurtze Beschreibung von dem Exerciren in der Pique/ In drey Theil abgetheilet/ ... / von Johann Georg Paschen. - 3. Kurtze Anleitung Wie der Baston à deux bous, Jägerstock oder halbe Pique oder Springestock/ wie ihn etliche nennen/ Eigentlich zu gebrauchen. Hall in Sachsen bei Vestern, 1667.

Vollständiges Fecht-, Ring- und Voltigier-Buch. Kurtze jedoch deutliche Beschreibung handlend vom Fechten auf den Stoß und Hieb. Vollständiges Ringbuch. Kurtze jedoch gründliche Beschreibung des Voltiger so wohl auf den Pferde als über den Tisch. Leipzig bei Fick & Seubold, 1667.

Deutliche Beschreibung von dem Exerciren in der Musquet und Pique, wie auch von dem Baston a deux Bous, Jägerstock. Hall in Sachsen, 1667.

1672

Deutliche Beschreibung von dem Exerciren in der Musquete und Pique = Declaration Ponctuëlle De L'Exercice Du Mousquet Et De La Pique : In vier Theil abgetheilet, Als Erstlich, Wie ein einzelner Musquetirer die Musquet zierlich loßschiessen, und geschwinde wiederum laden soll ... Zum Andern, Von dem Exercitio mit dem Tropp oder Compagnie ... Drittens, Von dem Exercitio mit der Compagnie oder Regiment im Chargiren ... und Vierdtens, Von dem Exercitio mit der Compagnie oder Regiment im Chargiren ... sich so wohl gegen Infanterie als Cavallerie zu defendiren, und wie Bataillen zu stellen / Mit sonderbahren Fleiß nach heutiger Manier beschrieben, und mit vielen nöthigen Kupffern ausgebildet. Hall in Sachsen bei Oelschlegel, 1672. Text dt. u. franz.

1673

Deutliche Beschreibung von dem Exerciren in der Musquete und Pique, In vier Theil abgetheilet ... Declaration ponctielle de l'exercise du mousquet et de la pique divisée en quatre parties. Halle bei Oelschlägel, 1673.

Vollständiges Fecht- Ring- und Voltigier-Buch. Bd. 2: Vollständiges Ring-Buch, Darinnen angewiesen wird, Wie man Adversarium recht angreiffen, sich loß machen, die Schläge pariren, unterschiedene Lectiones und die contra-Lectiones darauff machen soll / Mit Fleiß beschrieben und mit sehr vielen Kupffern außgebildet. Hall in Sachsen bei Melchior Oelschlegel, 1673.

Vollständiges Fecht- Ring- und Voltigier-Buch. Bd. 3: Kurtze iedoch gründliche Beschreibung Des Voltiger, So wohl auf den Pferde als über den Tisch: Darinnen gehandelt wird von allen Sprüngen, als in Sattel zu springen, wieder herauß, ... / Mit mehren Lectionen und sehr vielen Kupffern abgebildet.  Hall in Sachsen bei Melchior Oelschlegel, 1673.

Deutliche Beschreibung Unterschiedener Fahnen-Lectionen : In Acht Spiel eingetheilet/ Nebst dem Piquen-Spiel/ Pertuisan und halben Piquen/ oder Jägerstock ... / von Johann Georg Pascha, Fürstl. Magdeb. Pagen Hoff-Meister. Hall in Sachsen : Oelschlegel, 1673. Text in deutsch und französisch. [Digitalsat Wolfenbütteler Digitale Bibliothek]

1683

Der Adelichen Gemüther wohlerfahner Exerzitien-Meister, das ist: vollständige Fecht-, Ring- und Voultesier-Kunst. Frankfurt und Leipzig bei Christian Weidemannen, 1683

1687

Vollständige Kriegskunst zu Fuß, verbessert und vermehrt. Lübeck, 1687



Der Magdeburger Pagen-Meister Johann Georg Paschen ungefähr 45-jährig, auf einer Darstellung in seinem Buch 'Deutliche Beschreibung Unterschiedener Fahnen-Lectionen : In Acht Spiel eingetheilet/ Nebst dem Piquen-Spiel/ Pertuisan und halben Piquen/ oder Jägerstock' von 1673 [Bildquelle: Wolfenbütteler Digitale Bibliothek]