Dienstag, 1. September 2015

Die Handschrift Mscr. Dresd. C.94.a - eine weitere deutschsprachige Fabris-Übersetzung aus dem 17. Jahrhundert?

von Jan Schäfer

Die Handschrift C.94.a ist eine 252 Blatt starke Text-Bild-Handschrift, die in der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek aufbewahrt wird.

Es handelt sich um eine (eigenständige?) Übertragung des Fabris'schen Fechtbuches Scienza e Prattica d'Arme in deutsche Sprache. Wie das Original besitzt auch Mscr. Dresd.C.94.a 190 Illustrationen. Diese sind vermutlich mit Silberstift ausgeführt.

Die Handschrift ist damit neben der "Italiänischen Fechtkunst" von Isack Elzevier und der "Scienza E Pratica D'Arme" von Johann Joachim Hynitzsch (hier in der Ausgabe von 1713) die dritte überlieferte Übersetzung des Fechtbuches von Fabris ins Deutsche. Um die Vermutung einer eigenständigen Übersetzung zu bestätigen oder abzulehnen, sind in jedem Fall weitere Untersuchungen von Text und Illustrationen nötig.

Provenienz

Die Handschrift hat zwei Namensvermerke, die auf mögliche Vorbesitzer (und womöglich auch den Übersetzer) hinweisen: auf dem Vorsetzblatt "Melchior von Schwalbach" und auf dem Einbanddeckel: "Ludov. Rudolph Senft à Pilsach". (1)
Über die Bibliotheca Senftiana (dort unter: M. (a) 87.) und der K. Sächs. Kupferstich-Gallerie (dort: Biblioth.-Archiv Vol. 312 Bl. 53.)  gelangte sie in den Besitz der Vorgängerinstitutionen der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek. (2)

Beschädigungen

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Handschrift C94a in einem provisorisch eingerichteten Ausweichlager durch unsachgemäße Aufbewahrung oder Kriegseinwirkung einen Wasserschaden, der die Tinte fast bis zur Unlesbarkeit ausgewaschen hat. (3) Betroffen ist vor allem die erste Hälfte des Buches. In der zweiten Hälfte ist der Text besser erhalten, jedoch auch nicht frei von Auswaschungen.

Anmerkungen:
(1) Vgl. Katalog der Handschriften der Sächsischen Landesbibliothek zu Dresden, Band 1. Dresden, Sächsische Landesbibliothek, 1979, S. 201 [Digitalisat]
(2) Vgl ebd.
(3) Vielen Dank an Kerstin Schellbach und Birgit Buth von der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek für die zahlreichen Hinweise und die freundliche Unterstützung.